Bundesrätin Doris Leuthard besucht den WOODSTOCK
22.01.2010 08:13 von Antonio Milelli
Minergie ist auch Wirtschaftsförderung
An der Swissbau in Basel vom 12. bis 16. Januar 2010 präsentierte sich der Baustandard Minergie im Rahmen einer Sonderschau im "Woodstock". Zur Einstimmung auf ihr Eröffnungsreferat besichtigte Bundespräsidentin Doris Leuthard das aussergewöhnliche Minergie-P-Gebäude mit seiner hochmodernen Klima-Architektur. Sie zeigte sich überzeugt davon, dass energieeffizientes Bauen keine Illusion, sondern Realität ist - umgesetzt im Woodstock mit einheimischen Ressourcen.
Die Sonderschau "Woodstock" an der Swissbau 2010 in Basel machte den Minergie-Standard sichtbar und erlebbar. Bundespräsidentin Doris Leuthard stattete dem dreistöckigen, nach Minergie-P zertifizierten Gebäude einen Besuch ab und eröffnete anschliessend die Messe. Sie zeigte sich beeindruckt davon, was erreicht werden kann, wenn sich Baufachleute mit neusten Materialien und Systemen auseinander setzen.
"Energieeffizientes Bauen ist keine Illusion, sondern Realität", konstatierte Doris Leuthard in ihrem Eröffnungsreferat. Sie betonte insbesondere den volkswirtschaftlichen Nutzen des besseren Bauens, denn Minergie ist auch Wirtschaftsförderung: Seit der Einführung des Standards vor 11 Jahren wurden dank Minergie zusätzlich 2,1 Milliarden Franken investiert. So beeindruckte der Woodstock die Bundespräsidentin nicht nur mit seiner hochmodernen Klima-Architektur, sondern auch mit seiner "Swissness": Technologie und Material stammen aus dem Inland, aus einheimischen Ressourcen.
Buche statt Fichte
Das Gebäude hat eine Struktur aus einheimischem Buchenholz - ein Novum im Holzbau: Gewöhnlich wird dafür Fichtenholz verwendet, weil Buchenholz allgemein als zu "lebendig" gilt. Der Woodstock weist in eine neue Richtung: "Angesichts des überzeugenden Ergebnisses fragen sich viele Besucherinnen und Besucher, warum man nicht schon früher auf die Idee gekommen ist, Buche im Hausbau zu verwenden", berichtet Mitinitiant Ruedi Tobler. Er und Architekt Felix Knobel sind die "Väter" des Woodstock und haben das Projekt gemeinsam initiiert und realisiert. Der Name ist Programm: "So wie Woodstock damals in den sechziger Jahren in gesellschaftlicher Hinsicht der Aufbruch in ein neues Zeitalter war, markiert unser Woodstock den Beginn einer neuen Klima-Architektur."
Aerogel-Vlies für die Fassadendämmung
Die Klima-Architektur im Woodstock besteht aus hybriden Bauteilen und nachhaltiger Technologie wie beispielsweise die Fassade mit integrierter Photovoltaik. Der Anspruch des Projektteams an den Komfort bedingte von Anfang an eine differenzierte HLK- und Elektro-Planung im Wechselspiel mit der Architektur. Eine Neuheit ist die Verwendung von "Spaceloft" für die Fassadendämmung: 1 Zentimeter dieses Aerogel-Vlies entspricht 6 bis 7 Zentimetern Mineralwolle. Im Verbund mit 20 Zentimetern Mineralwolle konnten ein schmaler Querschnitt sowie ein ausgezeichneter u-Wert von 0,14 erreicht werden. Tatsächlich produziert das Gebäude mehr Strom, als es verbraucht.
Vertikaler Garten und grüne Fassade
Ruedi Tobler war während der gesamten Swissbau vor Ort und zeigte sich beeindruckt vom riesigen Interesse des Publikums: "Der Andrang ist gross", berichtete er live aus dem Woodstock. Gewürdigt und bestaunt wurden nebst der Verwendung von Buchenholz insbesondere die gelungene Architektur mit der schlanken Fassade, die nachts leuchtet, sowie der vertikale Garten, eine Neuentwicklung in Form einer grünen Fassade. Das System ist auf einer Kautschuk-Haut aufgebaut; der Wasserhaushalt wird mit Geohumus optimiert.
Ein aussergewöhnliches Gebäude
Viele Besucherinnen und Besucher rühmten die ausgezeichnete Behaglichkeit und die angenehme Atmosphäre im Innern des Gebäudes. Trotz der winterlichen Temperaturen kam der Woodstock an der Swissbau ohne Heizung aus. Die Hoffnungen der Initianten und des Vereins Minergie scheinen sich zu erfüllen: "Mit dem Woodstock wollen wir zeigen, was heutzutage punkto Klima-Architektur möglich ist. Wir wollen zeigen, wie sich Handwerk mit Hightech verbindet - und wir wollen begeistern, mit moderner Technologie und einem aussergewöhnlichen Haus", freut sich Ruedi Tobler. Damit energieeffizientes Bauen flächendeckend umgesetzt wird, braucht es Mut zu neuen Lösungen, ebenso wie entsprechende Aus- und Weiterbildungsangebote.
Wie geht es weiter mit dem Woodstock? "Das Gebäude bleibt noch bis zum 15. Februar für die Besucherinnen und Besucher der Muba hier stehen", so Ruedi Tobler. "Dann wird es abgebaut und voraussichtlich in Münchenstein im Baselland definitiv gebaut - und zwar mit fünf Stockwerken."

