Swissbau-Arena: Wertsteigerung durch Gebäudelabels

20.01.2012 13:19 von Antonio Milelli

Labels sichern die Bauqualität. Bei der Gesetzgebung nehmen sie sogar eine Vorreiterrolle ein. Doch gleichzeitig verursachen sie Mehrkosten und ihre schlichte Anzahl verwirrt Bauherrschaften. Sind Minergie und Co nun Fluch oder Segen? Am Mittwoch fand dazu an der Swissbau ein Diskussion statt.

(MK) In diesem Punkt waren sich alle 13 Teilnehmer der Swissbau Focus Arena einig: Labels bringen einen Nutzen. Sie bieten erhöhte Wohnqualität und treiben eine nachhaltige Entwicklung im Gebäudebereich an. Neben diesen nicht-monetären Vorteilen, rechnen sich Labels für Investoren aber auch finanziell. Wie gross die Wertsteigerung von zertifizierten Gebäuden effektiv ist, mochte jedoch keiner der Fachleute beziffern. Die Frage, welches Label dem schweizerischen Gebäudepark die besten Zukunftsaussichten bietet, liessen die Diskussionsteilnehmer in der Arena offen. Zu vielfältig ist die heutige Auswahl an Baustandards und zu divers sind die Ansprüche unterschiedlicher Nutzer.

Neuer Standard für nachhaltiges Bauen

Licht soll Ende 2012 ins Dunkel des Labeldschungels gelangen – in dem laut einhelliger Meinung der Diskussionsführer bereits jedes Label seine Nische gefunden hat. Dann wird das neue Schweizer Nachhaltigkeitslabel für Gebäude fertig. Damit dieser Standard ein Erfolg wird, ist die Ausarbeitung breit abgestützt. «Die Herausforderung ist, alle Player aus öffentlicher Hand und Privatwirtschaft unter einen Hut zu bringen», ist sich Oliver Meile vom Bundesamt für Energie bewusst. Dafür winkt eine breite Akzeptanz von Anfang an. Markus Koschenz, Geschäftsführer bei Reuss Engineering und an der Entwicklung des Standards beteiligt, bremst die Erwartungen jedoch ein wenig: «Labels sind Qualitätsmerkmale, aber kein Patentrezept.» Architekten, Planer und Gesetzgeber werden sich also auch in Zukunft für gute Gebäude anstrengen müssen. Eine Hilfestellung sind Labels aber allemal, unterstreicht Alec von Graffenried, Nationalrat und Direktor für nachhaltige Entwicklung bei Losinger Marazzi: «Minergie hat die Marke gesetzt und die kantonalen Bauordnungen passen sich an. Mit Minergie-A gibt es heute einen Plusenergiestandard. Warum sollten die Vorschriften in 10 Jahren nicht entsprechend sein?»

Nachfrage geht über gute Bauqualität hinaus

«Umweltnutzen lässt sich nur verkaufen, wenn er mit gesteigertem Kundennutzen einhergeht“, ist Franz Beyeler, Geschäftsführer von Minergie, überzeugt. Letztlich geht es um die Bauherrschaft respektive die Bewohner. Die stehen auch im Fokus des Leiters Business Development & Sustainability der Credit Suisse, Roger Baumann: «Es geht um die Zukunftsfähigkeit von Gebäuden. Mieter sind bereit 6,5 Prozent mehr zu zahlen.» Der Kunde ist König. Deshalb zertifizierte die CS den Zürcher Prime Tower mit dem amerikanischen Leed-Label. «Mieter von Grossobjekten fordern bekannte Standards aus ihren Heimatländern», kommentiert Baumann dieses Vorgehen. Auch Stefan Jäschke von der Schweizer Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft rückt den Nutzer in den Mittelpunkt: «Es geht um Nutzungsqualität nicht nur ums Bauen an sich.» Gebäude müssen nicht nur nachhaltig konzipiert und gebaut sein – sondern vor allem nutzbar.

Bewohner entscheidet

Nicht nur bei der Wahl der Bauweise spielt der Faktor Mensch eine wichtige Rolle. Auch bei der Bilanz eines Gebäudes nach dem Einzug. «Das Verhalten der Bewohner wirkt sich massgeblich auf die Nachhaltigkeit eines Gebäudes aus – da helfen auch keine Labels», betont Markus Weber, Präsident der Fachgesellschaft für Haustechnik und Energie im Bauwesen des SIA. Er plädiert für eine Visualisierung der Verbrauchswerte, um dass Bewusstsein der Nutzer zu fördern. Dort setzt auch Rahel Gessler, Leiterin der Abteilung Energie und Nachhaltigkeit der Stadt Zürich, an: «Energiecoaching und Förderprogramme locken Bewohner aus der Reserve.» Ähnlich wirken Baustandards laut Guido Honegger, vom Architekturbüro Vera Gloor, auf Angehörige seines Berufsstandes: «Architekten tun sich mit der Nachhaltigkeit immer noch schwer. Labels können da nachhelfen.»

Zur TV-Aufzeichnung der
Swissbau Focus Arena «Wertsteigerung durch Gebäudelabels – nachhaltiges Bauen wird messbar» vom 18.1.2012 und TV-Kurzinterviews >>

Text: Moritz Kulawik, Faktor Journalisten AG, www.fachjournalisten.ch

 

Zurück

News

20.11.2014 14:40

Aufbruch mit Minergie

Wie geht es weiter mit Minergie? Antworten auf diese Frage hat Christian Röthenmund am Herbstseminar im Rahmen der BauHolzEnergie-Messe in Bern geliefert. Wenn Sie das Referat verpasst haben, können Sie es noch einmal verfolgen.

Weiterlesen …

18.11.2014 14:11

Ein Haus für die Zukunft

Viele Interessierte, darunter auch ein Nationalrat, besuchten am vergangenen Samstag das Plusenergiehaus in Mollis. Christian Röthenmund, Geschäftsführer von Minergie, überbrachte persönlich die beiden Zertifikate GL-001-A-ECO und GL-001-P-ECO.

Weiterlesen …

13.11.2014 10:01

Gute Raumluft – gefordert und angestrebt

Gute Raumluft ist nicht selbstverständlich. Zu viele Verunreinigungsquellen sind in der Umgebung und im Innern von Gebäuden vorhanden. Deshalb sind kontrollierte Lüftungssysteme gefordert, die mit geeigneten Massnahmen ein gesundes und hygienisch einwandfreies Raumklima erzeugen können. Mit den zahlreichen Fakten zu diesem Thema befassten sich Experten aus Medizin und Technik an zwei von MINERGIE Schweiz durchgeführten Fachtagungen in Zürich und Bern.

Weiterlesen …

  • MINERGIE
    MINERGIE Aufbruch mit #Minergie: Referat von Christian Röthenmund am Herbstseminar in Bern: http://t.co/kScQLOXmJK via @minergie

    20.11.2014

  • MINERGIE
    MINERGIE Ein Haus für die Zukunft in Mollis http://t.co/W4mfoUQmSf via @minergie

    18.11.2014

  • MINERGIE
    MINERGIE RT @mirjamjauslin: Minergie: Lug und Trug oder Lösung unserer Energieprobleme? #061Live mit Paul Bossert und Aeneas Wanner 19:15 @Telebasel

    18.11.2014

  • MINERGIE
    MINERGIE Minergie - Gute Raumluft – gefordert und angestrebt http://t.co/hYP13MPxSt via @minergie

    13.11.2014