Weiterentwicklung von MINERGIE: Neue Ideen und Ansätze

16.12.2014 07:29 von Antonio Milelli

Mit fast 40'000 zertifizierten Bauten Ende 2014 hat Minergie die Schweizer Bauwirtschaft in einem Mass beeinflusst, wie es noch kein anderes freiwilliges Instrument erreicht hat. Mit ihrer Definition – geringer Verbrauch nicht-erneuerbarer Energie, komfortables und gesundes Raumklima, Gebäudewert – ist die Marke höchst attraktiv für Nutzer, Investoren, Systemanbieter und Fachleute.

Wie geht es aber weiter mit Minergie im Zuge der Veränderungen in der Baulandschaft? Braucht es Minergie auch künftig? Minergie antwortet auf diese Fragen mit der seiner Strategie «Minergie-2020». Diese besagt, dass sich Minergie in den Bereichen «Qualitätssystem Minergie MQS», «Nachhaltige Bauerneuerung», «Erweiterte Nachhaltigkeit» und «Weiterbildung Energieeffizienz» weiterentwickeln wird. Mit ersten Anpassungen ist auf den 1. Januar 2016 zu rechnen.


 

Qualitätssystem Minergie MQS
Die Behebung von Baumängeln kostet schon heute jährlich 1.6 Mrd. Franken. Es ist zu erwarten, dass die bevorstehende Verschärfung der Musterverordnung diese erhöhen wird. Obwohl schon rund ein Drittel der Bauten Minergie-Gebäude sind - zwei Drittel sind es noch nicht und es gibt entsprechend immer noch viele Baufachleute, die sich nie mit den neuen Techniken auseinander gesetzt haben. Es sind also Gegenmassnahmen gefragt.

Minergie führt aus diesem Grund das Qualitätssystem Minergie MQS ein. Die bisher bereits ausgeführten Stichproben werden dabei ausgeweitet und es werden systematisch Inbetriebsetzungsprotokolle zu Heizungs- und Lüftungsanlagen verlangt. Anhand der Planungsunterlagen werden ca. 20 Prüfpunkte des Projekts festgelegt. Zu diesen muss die Bauleitung im Laufe der Ausführung Belege für die planungskonforme Ausführung abgeben.


 

Nachhaltige Bauerneuerung
Die Hemmschwelle umfassende Umbauten anzugehen in der Schweiz ist hoch. Es herrscht ein Sanierungsstau. Minergie bietet künftig Standardlösungen an, aus denen der private Eigentümer selber eine dem Zustand seines Gebäudes entsprechende Variante auswählen kann und so in einem vereinfachten Verfahren sein Gebäude effizient modernisiert.

Passt keine der Standardlösungen, so kann wie bisher ein Nachweis anhand eines frei wählbaren Lösungskonzepts gerechnet werden. Neu ist die Möglichkeit zur Ausführung in Etappen, verteilt auf mehrere Jahre. Das entspricht eher der Baurealität, weil dies erlaubt, die Investitionen steuerlich auf mehrere Jahre zu verteilen.


 

Erweiterte Nachhaltigkeit
Internationale Baustandards wie LEED, BREEAM oder DGNB tauchen auch in der Schweiz auf, weil sich ausländische Investoren dafür interessieren. Diese Labels beinhalten einen breiten Satz von Nachhaltigkeitskriterien, die teils schlecht zum Schweizer Umfeld passen. Das Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz NNBS hat deshalb einen umfassenden Schweizerischen Nachhaltigkeitsstandards SNBS entwickelt.

Nun soll aus dem Standard ein Label werden. Minergie beabsichtigt sich an der laufenden Ausschreibung für die Vereinfachung und den Vollzug von SNBS zu bewerben.


 

Weiterbildung Energieeffizienz
Die neue MuKEn wird ihre Anforderungen für Neubauten auf das Niveau von Minergie absenken. Das ist ein grosser Schritt gegenüber der bisherigen Praxis. Der anspruchsvolle neue Planungswert für den Energieverbrauch für Heizung, Warmwasser, Kühlung und Lüftung von nur noch 35kWh/m2a erfordert eine präzise Abstimmung von Hülle und Haustechnik durch integrale Planung, wie dies für Minergie-Bauten seit längerem üblich ist. Zudem müssen die neuen Instrumente von Minergie von einer grossen Zahl von Baufachleuten angewendet werden, wenn sie im Markt erfolgreich sein sollen.

Dies führt dazu, dass Minergie sein Weiterbildungsangebot in den Bereichen Qualität, Nachhaltigkeit und Bauerneuerung massiv ausbauen wird.


 

Weitere relevante Veränderungen:

 

Neue Photovoltaik-Bewertung bei den Minergie-Standards
Minergie-Häuser sollen neu auch mit Photovoltaik so optimiert werden, dass sie vom Netz möglichst wenig Strom beziehen. Das kann durch bessere Dämmung, effiziente Lüftung mit Wärmerückgewinnung und Wärmeerzeugung sowie durch optimale Ausrichtung der Solaranlagen geschehen. Eine Kompensation eines schlechten Wirkungsgrads der Heizanlage durch einen hohen Gewinn an Solarstrom im Sommer soll zukünftig also nicht mehr möglich sein. Neu wird deshalb allein der vom Netz bezogene Strom für Heizung, Lüftung, Warmwasser und Klima bewertet. Berechnungsbasis bilden Monatsbilanzen. Angerechnet werden alle Monate mit negativen Bilanzen. Für ein Wohngebäude betrifft dies ausschliesslich das Winterhalbjahr, für ein Geschäftshaus mit hohem Kühlanteil auch die Sommermonate.

Anpassungen Grenzwert Minergie Basisstandard
Die Grenzwerte der Musterverordnung der Kantone und des Minergie-Basis-Standards sollen für Neubauten identisch werden (Minergie-Basisstandard wird von 38 kWh/m2 auf 35 kWh/m2 gesenkt). Im Minergie-Bau werden mittelfristig aber zusätzlich eine automatisch steuerbare Frischluftzufuhr und das Qualitäts-System Minergie verlangt.


» Präsentation im Rahmen der BauHolzEnergie-Messe (Powerpoint)

» Referat von Christian Röthenmund im Rahmen der BauHolzEnergie-Messe (YouTube)

 

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News

02.09.2016 10:59

Studien zu Minergie-Systemerneuerung und Minergie-MQS

Das Bundesamt für Energie (BFE) hat Marktbefragungen zur Minergie-Systemerneuerung und zum Minergie-Qualitätssystem MQS durchgeführt.

 

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21.06.2016 16:12

Breite Zustimmung an Generalversammlung

An seiner Generalversammlung vom 16. Juni 2016 in Fribourg informierte Minergie über die Entwicklung der neuen Produkte MQS, Minergie-S und Minergie-Systemerneuerung sowie die Überarbeitung der drei Gebäudestandards. Die 6. Teilrevision der Statuten wurde genehmigt. Verabschiedet wurde unter anderem Vizepräsident Ruedi Kriesi; sein Mandat übernimmt Hansruedi Kunz vom AWEL Zürich.

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31.03.2016 09:30

MINERGIE nachweislich gut

Minergie und Minergie-P unterschreitet in den meisten Fällen die Planungswerte für den Energieverbrauch. Einzig bei fossil beheizten Mehrfamilienhäusern und Verwaltungsbauten weist eine Studie des Bundesamts für Energie (BFE) einen höheren Energieverbrauch als geplant aus. Die Gründe dafür konnten nicht eindeutig eruiert werden, sicherlich spielen aber die Gebäudetechnik, Belegungsdichte, Berechnungsmethode und das Nutzerverhalten eine wesentliche Rolle. Vier von fünf Bauherren würden erneut nach dem gewählten Minergie-Standard bauen, nur ganz wenige überhaupt nicht mehr in Minergie.

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