26. März 2026
5 Fragen zu Minergie-Netto-Null
Der Geschäftsleiter von Minergie, Andreas Meyer Primavesi, spricht im Interview über die Lancierung von Minergie-Netto-Null, den neuen Standard und die Beweggründe.
Andreas Meyer Primavesi, Minergie hat am 12. März Minergie-Netto-Null lanciert. Weshalb?
Wollen wir das Ziel Netto-Null 2050 als Land erreichen, müssen wir auch auf Ebene der Gebäude den nächsten Schritt gehen. Nach einer langen Projektphase mit vielen Beteiligten haben wir dazu einen tragfähigen Weg entwickelt. Ziel ist es, ein Gebäude zu erstellen und zu betreiben, ohne zur weiteren Erwärmung des Planeten beizutragen.
Können Sie Minergie-Netto-Null kurz beschreiben?
Ein Minergie-Netto-Null-Gebäude ist ein neu erstelltes oder saniertes Gebäude, das über seinen definierten Lebenszyklus von 60 Jahren möglichst geringe Treibhausgasemissionen (THGE) in der Erstellung und im Betrieb verursacht. Nach Anrechnung des im Gebäude gespeicherten Kohlenstoffs, müssen die restlichen Emissionen durch den Einsatz geprüfter Negativemissionszertifikate ausgeglichen werden, sodass insgesamt eine Netto-Null-Bilanz erreicht wird.
Sie haben am Lancierungsevent von drei Phasen gesprochen – welche Bedeutung haben diese?
Das Produkt folgt einem dreiphasigen Vorgehen, das bereits in der Projektkonzeption beginnt:
- In der ersten Phase gilt es CO2 zu vermeiden – Emissionen werden, wo immer möglich, reduziert.
- In der zweiten Phase geht es um das Speichern – CO₂ wird im Gebäude für 60 Jahre oder länger gebunden.
- Und in einer dritten Phase werden die restlichen Emissionen durch geprüfte Negativemissionszertifikate ausgeglichen – über Jahrhunderte bis Jahrtausende.
Nach dem Erwerb der entsprechenden Negativemissionszertifikate wird das Minergie-Netto-Null-Zertifikat ausgestellt. Das Gebäude verfügt dann für die nächsten 60 Betriebsjahre über eine CO2-neutrale Bilanz.
Was sind Negativemissionszertifikate (NEZ)?
NEZ beruhen auf Negativemissionstechnologien (NET), die CO₂ aus der Atmosphäre entziehen und dauerhaft speichern. Während Zertifikate aus Kompensationsprojekten dafür sorgen, dass weniger CO₂ ausgestossen wird, funktionieren NET umgekehrt: Sie stehen für eine tatsächliche Entfernung von CO₂ aus der Luft. Wir rechnen zurzeit mit Kosten von rund 250 Franken pro Tonne CO2. Diese Mittel fliessen direkt in Technologien, die CO₂ effektiv und dauerhaft aus der Atmosphäre entfernen.
Wie viele Minergie-Gebäude werden den neuen Standard erreichen?
Der Standard stellt hohe Anforderungen an die Vermeidung von CO2 – beim Neubau muss der Standard Minergie-P/-A-ECO erreicht werden – und besonders hohe Anforderungen hinsichtlich der grauen Emissionen (Grenzwert 1 des Zusatz ECO). Hinzu kommen zusätzliche Kosten für den Ausgleich mit den NET. Wir rechnen deshalb damit, dass in den nächsten Jahren lediglich rund zwei Dutzend Gebäude diesen Standard erreichen werden.