24. März 2026
«Der erste Gedanke galt nicht direkt dem Unternehmen, sondern den Menschen»
Damian Gort, Geschäftsleiter der Flumroc AG, spricht fünf Monate nach dem Brand darüber, wie er das Ereignis erlebt hat sowie über die Brandursache und die Wiederinbetriebnahme des Schmelzofens.
Damian Gort, der Brand in Ihrem Unternehmen war vor fünf Monaten, läuft nun alles wieder wie gewohnt?
Im Januar konnten wir unseren Elektroschmelzofen wieder erfolgreich in Betrieb nehmen und die Produktion schrittweise hochfahren. Wir freuen uns sehr, dass wir bereits wieder zahlreiche blaue Pakete an unsere Kundinnen und Kunden ausliefern konnten.
Was war eigentlich genau die Ursache für den Brand und die Auswirkungen?
Beim Vorfall handelte es sich nicht um einen klassischen Brand, sondern um einen Austritt der Gesteinsschmelze. In der betreffenden Nacht liess sich einer der beiden Auslässe unseres Elektroschmelzofens nicht ordnungsgemäss verschliessen. Dadurch trat eine grössere Menge Gesteinsschmelze aus. Die heisse Schmelze verteilte sich über den Boden der Produktionshalle und floss aufgrund der mehrstöckigen Anordnung der Anlagen teilweise bis ins Erdgeschoss. In der Folge musste die Gesteinsmasse kontrolliert gekühlt und gesichert werden. Die Ursache wurde analysiert und alle Erkenntnisse sind in die Wiederaufnahme der Produktion geflossen. Sicherheit für die Mitarbeitenden und Betriebssicherheit haben nach wie vor die höchste Priorität für uns.
Wenn Sie zurückdenken, wie ist das für einen Geschäftsführer, wenn man nach Feierabend aufgrund eines solchen Ereignisses angerufen wird? Erinnern Sie sich da an Ihre ersten Gedanken?
Natürlich erinnere ich mich sehr gut an diesen Moment. Der erste Gedanke galt nicht direkt dem Unternehmen, sondern den Menschen. Sind alle in Sicherheit? Ist niemand verletzt? Als klar war, dass keine Personen zu Schaden gekommen sind, stand für mich sofort die Verantwortung im Zentrum: Ruhe bewahren, die richtigen Entscheidungen treffen und unserem Team den Rücken stärken. In solchen Situationen zeigt sich, wie wichtig klare Prozesse, eingespielte Abläufe und Vertrauen in die eigenen Leute sind. Es war keine einfache Situation. Aber ich habe in dieser Nacht auch erlebt, mit welcher Professionalität und welchem Engagement unsere Mitarbeitenden, Einsatzkräfte und Partner gehandelt haben. Das gibt mir als Geschäftsführer Sicherheit.
Wie ging es danach weiter, hatten Sie so was wie einen Krisenstab?
Ja, wir haben unmittelbar nach dem Vorfall eine Krisenorganisation aufgebaut. Darin war unser Konzern stark involviert. In einer solchen Situation braucht es kurze Entscheidungswege, klare Verantwortlichkeiten und transparente Kommunikation. Wir haben ein internes Kernteam gebildet, das eng mit den Fachspezialisten, Behörden und Einsatzkräften zusammengearbeitet hat. Parallel dazu haben wir die Kommunikation und den Informationsfluss unserer Mitarbeitenden, unserer Kunden und weiterer Anspruchsgruppen sichergestellt. Entscheidend war für uns, rasch Stabilität in die Situation zu bringen: den Schaden analysieren, Prioritäten setzen und einen realistischen Wiederanlaufplan definieren. Diese strukturierte Vorgehensweise hat uns geholfen, Schritt für Schritt vom Ereignis in den Wiederaufbau zu kommen.
Wurden nun die Sicherheitsdispositive erhöht?
Es wurde niemand verletzt. Das ist in einer solchen Situation nicht selbstverständlich und zeigt, dass unsere bestehenden Sicherheitsstandards funktioniert haben. Die Einsatzkräfte waren umgehend vor Ort, unsere internen Abläufe griffen sofort, und jeder wusste, was zu tun ist. Genau dafür haben wir klare Abläufe, die unsere Mitarbeitenden kennen. Diese Professionalität hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Situation kontrolliert und sicher bewältigt werden konnte. Unabhängig davon haben wir den Vorfall selbstverständlich detailliert analysiert und zusätzliche technische sowie organisatorische Optimierungen umgesetzt.
Sind Sie bezüglich Leistung bereits wieder bei 100 Prozent oder dauert das noch an?
Die Wiederinbetriebnahme einer Anlage dieser Grössenordnung erfolgt bewusst schrittweise und kontrolliert. Wir konnten in der Zwischenzeit die volle Produktivität erreichen und sind bereit für die kommende Bausaison. Dabei gilt für uns weiterhin: Stabilität und Qualität haben höchste Priorität. Unser Ziel bleibt zuverlässig auf dem Qualitätsniveau zu produzieren, das unsere Kundinnen und Kunden von der Schweizer Steinwolle gewohnt sind.