Das erste Holz-Hochhaus der Schweiz steht auf dem ehemaligen Industrieareal Suurstoffi in Rotkreuz und ist ein Pionierbau. Es ist das erste Holzhochhaus, das nach der Anpassung der Brandschutzvorschriften im Jahr 2015 entstand, die den Bau von Holz- und Hybridbauten von über 22 Metern Höhe möglich machen. Das Planungsteam realisiert ein Gebäude aus zwei 25 und 36 Meter hohen Baukörpern, die zu 85 Prozent aus Holz bestehen. Nur die Tiefgarage, das Sockelgeschoss und die Erschliessungskerne werden aus Beton gegossen. Bei der übrigen Konstruktion handelt es sich um einen zu weiten Teilen vorgefertigten Holzskelettbau, der hohe Ansprüche an die Flexibilität erfüllt.
Woher kommt das Holz?
- Das verwendete Holz stammt zu rund 30 Prozent aus der Schweiz und zu rund 70 Prozent aus dem angrenzenden Ausland (D/AT).
- Herkunft Fichte/Tanne-BSH (Fassadenstützen, Konstruktionsholz, Deckenbalken). Schweiz/Deutschland/Österreich (D-A-CH); aus regionalen, nachhaltig/PEFC-zertifiziert bewirtschafteten Wäldern
- Herkunft Spezialprodukt BauBuche (Buchen-LVL):
Pollmeier Massivholz GmbH & Co. KG; Fertigung Creuzburg (Thüringen, DE). Pollmeier gibt an, dass der Rohstoff Buchenholz aus regionalen, nachhaltig/PEFC-zertifiziert bewirtschafteten Wäldern stammt.
Wo und wie wird das Holz verarbeitet?
- Die Verarbeitung erfolgte in der Region Dreiländereck CH / D / Ö (Halbfabrikate)
sowie in Stein-Säckingen im Werk der ERNE AG Holzbau (Holzrahmenbau und Fertigung der Holz-Hybriddecken). - Standard-Verarbeitungsprozesse bei den industriellen Herstellern von Halbfabrikaten in der Schweiz/Deutschland/Österreich
Was wird bei der Beschaffung anders gemacht?
- Grundsätzlich wurde darauf geachtet, dass die Materiallieferungen aus zertifiziertem, kontrolliertem Anbau in Mitteleuropa kommen und die notwendigen Zertifizierungen und Nachweise vorliegen.
- Die Variante mit reinem Schweizer Holz wurde geprüft und zu Gunsten der Machbarkeit des Gesamtgebäudes verworfen. Im Nachfolgeprojekt ARBO der Zug Estates wurde ausschliesslich Schweizer Holz eingesetzt.
Was wird bei der Planung anders gemacht?
- Schon zu Beginn der Planung wurde mit einem CO2-armen Deckensystem mit Holz-Hybrid-Rippendecken gearbeitet, um den CO2-Fussabdruck des Gebäudes zu minimieren.
- Für die Stützen und Unterzüge wurde BauBuche-Furnierschichtholz in einem 5.75 x 5.75 Meter Raster verbaut.
- Im Fassadenbereich kam Fichten- und Tannen-Brettschichtholz zum Einsatz.
- Die Fassaden sind mit brandschutztechnisch wirksamen Gipsfaser- und Aluminiumverbundplatten verkleidet und mit einer streng gerasterten Befensterung strukturiert.
- Im Innern blieb viel Holz sichtbar, was für ein angenehmes Ambiente sorgt.
- Gleichzeitig bietet die Konstruktion viele Funktionalitäten, so wirken etwa die Holz-Beton-Verbunddecken schallhemmend, bilden Brandabschnitte und bieten Platz für die Sprinkleranlage sowie das Heiz-, Lüftungs- und Kühlsystem.
- Das verwendete Hybriddeckensystem nutzt die Speichermasse so, dass die installierte Leistung für Heizen und Kühlen sowie der Energieverbrauch reduziert werden konnten.
Was wird beim Bau berücksichtigt?
- Die Holzelemente wurden vorfabriziert, sodass ein Geschoss in rund zehn Tagen errichtet werden konnte.
- Nutzung von BIM und Bauteilfertigung ab 3D-Architekturmodell mit Robotern.
- Die Vorfertigung der Gebäudeelemente, die hohe Massgenauigkeit und Montagesicherheit brachte den grössten Zeitgewinn.
Das Gebäude im Überblick
2016– 2018
Neubau, Bürogebäude, Gewerbe / Industrie
Teil des ersten DGNB-Areals der Schweiz
- Wald: Dreiländereck Schweiz / Deutschland / Österreich
- Verarbeitung: Dreiländereck Schweiz / Deutschland / Österreich
- Projekt: Suurstoffi Areal, 6343 Risch-Rotkreuz
ca. 45 Mio. Erstellungskosten
9.54 kg CO2e / m2/ a (inkl. Einstellhalle)
Foto: Jael Strub, 2019