28. April 2026

Erstes Minergie-Areal der Zentralschweiz

In Bahnhofsnähe entsteht ab Sommer 2027 bis 2032 das ewl-Areal. Es bietet zahlreichen Wohnraum und mehrere hundert Arbeitsplätze. Roger Seiler, Projektleiter bei der Halter AG, spricht im Interview über Herausforderungen und die Klimafreundlichkeit des Areals.


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Das gesamte Areal umfasst 52'600 Quadratmeter Energiebezugsfläche. Bild: zvg

Weshalb hat man sich beim ewl-Areal für die Minergie-Areal-Zertifizierung entschieden? Was waren die entscheidenden Punkte?
Gemäss Gestaltungsplan war das ewl-Areal ursprünglich als 2000-Watt-Areal zu zertifizieren. Da dieses Zertifikat seit Ende 2023 nicht mehr vergeben wird, hat der Verwaltungsrat der ewl-Areal AG Ende 2024 entschieden, das Minergie-Areal als geeignetes Nachfolgeinstrument zu nutzen. Nach einer umfassenden Evaluation der beiden Nachfolge-Labels – Minergie-Areal und SNBS-Areal – erwies sich das Minergie-Areal als die besser geeignete Lösung, da es die Vorgaben aus dem Gestaltungsplan hinsichtlich des Projektfortschritts optimal abbildet.

Welche Vorteile bietet der Standard Minergie-Areal aus Ihrer Sicht?
Der Standard Minergie-Areal bietet einen klaren Fokus auf energetische Themen, sowohl in der Erstellung als auch im Betrieb. Die strukturierte Gliederung in fünf Themenbereiche wie Einzelgebäude, Areal-Management, Energie und Treibhausgase, Komfort und Klimaanpassung sowie Mobilität ermöglicht eine ganzheitliche Betrachtung des Areals. Zudem schätzen wir die konstruktive Zusammenarbeit mit der Minergie-Zertifizierungsstelle, die eine lösungsorientierte Umsetzung der projektspezifischen Anforderungen ermöglicht. Die Dienstabteilung Umweltschutz der Stadt Luzern hat die Wahl des geeigneten Nachfolgeinstruments für die Gestaltungsplanvorgaben kooperativ begleitet.

Was sind beim ewl-Areal die grössten Herausforderungen in Bezug auf die Areal-Zertifizierung?
Eine zentrale Herausforderung besteht in der Erfüllung der PV-Anforderungen: Trotz hoher Belegungsdichte der Dachflächen können diese allein die Anforderungen nicht vollständig abdecken, weshalb zusätzlich Fassadenflächen mit PV-Modulen belegt werden müssen. Durch Verschattung – sowohl arealseitig als auch durch angrenzende Gebäude – eignen sich jedoch nicht alle Fassaden gleichermassen. Zudem erfordert die Integration des denkmalgeschützten Roten Hauses, das nicht nach Minergie zertifiziert werden kann, eine differenzierte Betrachtung auf Arealebene. Dank der konstruktiven Zusammenarbeit mit der Zertifizierungsstelle konnten pragmatische Lösungen gefunden werden, die sowohl den Anforderungen des Labels als auch den projektspezifischen Rahmenbedingungen gerecht werden.

Wie sehen diese Lösungen aus?
Die Photovoltaik-Anlage wurde nach einer umfassenden Analyse systematisch optimiert. Der Schwerpunkt liegt auf den Dachflächen beider Etappen. Ergänzend wurden nach eingehender Prüfung durch den Elektroplaner beim ewl-Bürogebäude auch verschiedene optimal ausgerichtete Fassadenflächen mit PV ausgestattet. Aufgrund eines sich in Realisierung befindenden Neubaus auf dem Nachbargrundstück musste die Fassaden-PV-Fläche teilweise reduziert werden, um künftige Verschattungseffekte zu berücksichtigen. Insgesamt sind über beide Etappen rund 1'000 Kilowatt-Peak mit über 800 Modulen geplant.

Was zeichnet das ewl-Areal in Bezug auf die Nachhaltigkeit aus, beziehungsweise was macht es besonders?
Das ewl-Areal verfolgt einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz. Bereits in einer frühen Planungsphase wurde auf die Reduktion der Ressourcen in der Erstellung geachtet und es wurden konsequent vielfältige ökologische Aspekte in die Umgebungsplanung integriert. Ein besonderes Merkmal ist die nachhaltige Energieversorgung: Das Areal wird nahezu ausschliesslich über die Seewassernutzung mit fossilfreier Wärme und Kälte versorgt. Mit einer Absichtserklärung zur Stromversorgung durch Ökostrom nach dem Label «naturemade star» strebt die ewl-Areal AG eine vollständig erneuerbare Stromversorgung über die gesamte Betriebsdauer an. Ergänzend setzt das Areal auf ein innovatives Mobilitätskonzept, das die Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Verkehr sowie Sharing-Angebote gezielt fördert und den motorisierten Individualverkehr auf dem Areal reduziert.

Gibt es diesbezüglich Bereiche, bei denen Sie neue Wege gehen?
Das ewl-Areal profitiert vom Ausbau der Seewassernutzung als nachhaltige Quartier-Energiezentrale, die auch der weiteren Nachbarschaft zur Verfügung steht. Damit entsteht eine zukunftsweisende Infrastruktur für die nachhaltige Wärme- und Kälteversorgung über das eigentliche Areal hinaus. Zudem wird ein umfassendes Energiemanagementsystem implementiert, das den Energiebezug mit der Eigenproduktion abgleicht und so den Verbrauch optimal regelt.