Stets Frischluft in den Innenräumen

Das Interview mit Roger Waeber, Leiter Fachstelle Wohngifte Bundesamt für Gesundheit für den Minergie Newsletter SPECIAL zum Thema Gesundheit.

1. Der Herbst kommt und wir halten uns wieder vermehrt im Innenraum auf. Welche Rolle spielen Lüftungen für keimfreie und gesunde Luft?

Die Raumluftqualität spielt eine wichtige Rolle für unsere Gesundheit und Leistungsfähigkeit in Innenräumen. Die Bewohner selber verunreinigen die Raumluft mit Substanzen aus dem Stoffwechsel wie Kohlendioxid (CO₂) und einer Vielzahl von organischen Verbindungen, die über Atmung und Transpiration in die Raumluft gelangen. Hinzu kommen Stoffe aus Kleidung und von Körperpflegeprodukten, Partikel, Viren und Bakterien.

Diese Verunreinigungen sind unvermeidbar. Damit diese sich nicht im Raum ansammeln, muss die belastete «verbrauchte» Luft durch Lüften kontinuierlich aus dem Raum abgeführt und durch eine entsprechende Menge Frischluft ersetzt werden. Dies kann manuell erfolgen oder noch besser mit einem automatischen, steuerbaren Lüftungssystem. Eine allmähliche Verschlechterung der Raumluftqualität durch ungenügende Durchlüftung nimmt man leider kaum wahr. Möglicherweise ist das ein Grund dafür, dass dem Aspekt Lüftung noch zu wenig Beachtung geschenkt wird.

2. In der Heizperiode wird die Luft oft trocken. Wie soll man da richtig lüften?

Wenn es draussen kalt und trocken ist, wird Feuchtigkeit im Raum durch das Lüften rasch abgeführt. Und die trockene, frische Luft wird durch das Aufwärmen noch trockener. Je weniger Feuchtigkeit im Raum anfällt und je stärker dieser durchlüftet ist, umso trockener wird es. Das kann zu Austrocknung und Reizungen der Schleimhäute und Haut führen. Allerdings spielen dabei aber auch noch andere Faktoren eine Rolle, wie der Gehalt an Staub und Reizstoffen in der Raumluft sowie die Lufttemperatur. Man sollte die Räume nicht überheizen; besser sind 21 Grad und ein Pullover.

Auch eine gute Wohnhygiene mit häufiger Staubreinigung ist wichtig. Die Räume sollen nach wie vor gut gelüftet sein, aber dies soll der Belegung angepasst sein. Dauerlüften bei Abwesenheit muss man vermeiden. Wenn trotz diesen Massnahmen Trockenheitsprobleme auftreten, ist eine Erhöhung der Feuchtigkeitsproduktion sinnvoll. Zum Beispiel mit geeigneten Pflanzen, mit offener Badezimmertür während und nach dem Duschen/Baden oder mit Luftbefeuchtern. Aber Vorsicht: Zu viel Feuchtigkeit kann in älteren Gebäuden zu Kondensationen und Schimmelbefall führen.

3. Haben Sie sonst noch einen Tipp, wie man ein Gebäude gut durch den Corona-Winter bringt?

Die Gebäude stecken sich zum Glück nicht an. Es sind die Menschen, welche nahe zusammen sind. Vor allem jetzt im Winter ist man in den Gebäuden häufig näher zusammen als draussen. Jeder Mensch scheidet beim Atmen, Sprechen, Rufen, Singen, Husten und Niesen kleinste bis grössere Tröpfchen aus. Bei infizierten Menschen enthalten solche Tröpfchen Coronaviren. In der Nähe einer infizierten Person sind die Viruskonzentrationen und die Ansteckungsrisiken am grössten. Deshalb sind auch die bekannten Corona-Regeln so wichtig. Weiter entfernt schweben nur noch die kleinsten Tröpfchen (Aerosole) gut verteilt in der Raumluft. Dadurch sind die Viren weniger konzentriert, was das Risiko für eine Ansteckung vermindert.

Damit aber das Ansteckungsrisiko über die Raumluft im Laufe der Zeit nicht zunimmt, müssen Räume stets gut mit Frischluft durchlüftet sein. Was uns allen für unsere Gesundheit, für unser Wohlbefinden und unsere Leistungsfähigkeit schon lange wichtig sein sollte, bekommt jetzt eine zusätzliche Bedeutung. 

Weitere Informationen 
- Coronavirus und Innenraumklima im Minergie-Haus, Update 19.11.2020