Minergie-Netto-Null: CO2 vermeiden, speichern und ausgleichen

Die Schweiz hat sich verpflichtet, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Im Bausektor bleibt jedoch eine Frage offen: Was braucht es, damit ein Gebäude über seinen definierten Lebenszyklus diesem Ziel entspricht? Minergie-Netto-Null bietet einen klaren, messbaren und zugänglichen Weg zum Aufbau eines CO2-neutralen Gebäudeparks. Der Standard basiert auf den Grundwerten von Minergie und zeigt, wie Schritt für Schritt die CO2-Neutralität von Gebäuden erreicht werden kann.

Was ist Minergie-Netto-Null?

Das Minergie-Netto-Null-Gebäude ist ein neu erstelltes oder saniertes Gebäude, das über seinen definierten Lebenszyklus von 60 Jahren sehr geringe Treibhausgasemissionen (THGE) verursacht. Nach der Ermittlung der Lebenszyklusemissionen wird der im Gebäude gespeicherte Kohlenstoff von den verbleibenden Emissionen abgezogen und reduziert somit die Treibhausgasbilanz. Die restlichen Emissionen werden danach ausgeglichen.

Wie geschieht dieser Ausgleich?
Die restlichen Emissionen werden durch den Einsatz geprüfter Negativemissionszertifikate ausgeglichen, sodass insgesamt eine Netto-Null-Bilanz im Sinne des Klimagesetzes erreicht wird.

Die Mehrwerte im Überblick

An wen richtet sich Minergie-Netto-Null?
Minergie-Netto-Null richtet sich an Bauherrschaften, Architektinnen und Architekten sowie Planende, die im Thema Netto-Null vorangehen möchten. Das können Wegbereitende aus der Privatwirtschaft oder öffentliche Bauherrschaften sein.

Welche Mehrwerte bietet Minergie-Netto-Null den Anwendenden?

  • Auszeichnung einer besonders zukunftsweisenden und klimafreundlichen Bauweise
  • Klare Orientierung dank eines eindeutig definierten und anerkannten Netto-Null-Standards
  • Qualität und Zukunftssicherheit in Bau und Betrieb – erfüllt künftige Klimavorgaben bereits heute
  • Wertsteigerung des Gebäudes, auch durch Ausweisen des C-Speichers

Was ist der Mehrwert für das Klima?

  • Nach Minergie-Netto-Null sanierte Gebäude verursachen nur geringe THGE:
    • Der Grenzwert für die THGE in der Erstellung ist sehr ambitioniert. Bei Sanierungen ist dieser einfacher zu erreichen, da nur die Emissionen der Sanierungsmassnahmen bilanziert werden. 
    • Die betrieblichen Vorgaben (Grenzwert: Minergie) bedingen eine optimierte Gebäudetechnik und gute Gebäudehülle.
  • Der Einsatz besonders ökologischer Baustoffe wie Holz und Stroh wird gezielt gefördert. Gleiches gilt für Kohlenstoff-angereicherte Betonprodukte. Bei Erneuerungen darf nur jener Speicher angerechnet werden, welcher durch bauliche Massnahmen neu geschaffen wird und damit gleichzeitig auch emissionsseitig bilanziert wird.
  • Die restlichen Emissionen werden durch den Einsatz geprüfter Negativemissionszertifikate ausgeglichen, sodass insgesamt eine Netto-Null-Bilanz erreicht wird. Dadurch werden verschiedene Negativemissionstechnologien, die für die Erreichung der Klimaziele unverzichtbar sind, gefördert.

Die Anforderungen im Überblick 

  1. Zertifizierung: Damit ein saniertes Gebäude das Label Minergie-Netto-Null erhält, muss eines der folgenden Gebäudelabels vorliegen: Minergie oder SNBS-Hochbau Silber.
  2. Treibhausgasemissionen: Einhaltung der Anforderungen an die maximal zulässigen THGE in der Erstellung: Grenzwert 1 des Zusatz ECO oder SNBS-Hochbau Note 5.5 für die Messgrösse 1 des Kriteriums 311.
  3. Betriebsemissionen: Für Sanierungen Einhaltung der Minergie-Grenzwerte oder eine Mindestnote von 5.0 für die Messgrösse 1 des Kriteriums 322 des SNBS-Hochbau.
  4. Gebäudeeigener Kohlenstoffspeicher: Ausweisen des im Gebäude zusätzlich geschaffenen Kohlenstoffspeichers (in Form von Holz, Stroh, angereichertem Beton, Pflanzenkohle, usw.), wobei der Speicher je nach Dauerhaftigkeit zwischen 64 und 100 Prozent angerechnet wird.
  5. Restliche Emissionen: Die restlichen Emissionen müssen mit permanenten Negativemissionszertifikaten aus dem freiwilligen Markt ausgeglichen werden. Als permanent gilt, wenn das CO2 der Atmosphäre über «Jahrhunderte bis mehrere Jahrtausende» entzogen wird. Die anrechenbaren Negativemissionszertifikate werden vom Verein Minergie festgelegt und erfüllen Mindeststandards bezüglich Qualität, Integrität und Transparenz. Sie sind nach einem von ICROA oder ICVCM anerkannten Standard zertifiziert.

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