Das Netto-Null Gebäude

Netto-Null bezieht sich auf die Bilanzierung der CO2-Emissionen. Dabei werden die verursachten CO2-Emissionen mit sogenannten Negativemissionen verrechnet. Negativemissionen entstehen dann, wenn der Atmosphäre durch bestimmte Prozesse oder Technologien CO2 entzogen und eingelagert wird (z.B. Aufforstung von Wäldern oder Carbon Capture Storage, CCS). Im Zusammenhang mit den Klimazielen gewinnen der Modebegriff Netto-Null und CO2-reduzierende Technologien an Bedeutung. 

Ressourceneffizienz mit Minergie-A-ECO

Beim Bauen oder Umbauen (Baustelle, Materialaufbereitung) entstehen unweigerlich Emissionen.  Daher gibt es kein Null-CO2-Gebäude. Auch Netto-Null ist beim Bauen noch kaum machbar, weil man entweder sehr grosse Flächen aufforsten müsste, die zumindest in Westeuropa nicht vorhanden sind. Oder aber CCS-Technologien verwenden muss, die noch nicht ausgereift und entsprechend sehr teuer sind. Der Schwerpunkt muss also derzeit auf der Ressourceneffizienz liegen. Am nächsten kommt das Minergie-A-ECO zertifizierte Gebäude. Es produziert pro Jahr genug erneuerbare Energie für Wärme, Wasser, Lüftung, sämtliche elektronischen Geräte und die Beleuchtung - und das verbaute CO2 wird minimiert und bilanziert. Ab 2022 werden das CO2 in Erstellung und die Kohlenstoff-Speicherung bei allen Minergie-Neubauten ausgewiesen.

Minergie hat Null CO2 - Emissionen in Scope 1

Um Treibhausgasemissionen zu messen, müssen diese berechnet werden können. Im meist benutzten internationalen Berechnungstool, dem Greenhouse Gas (GHG)-Protocol, werden die Treibhausgasquellen in drei Kategorien oder „Scopes“ unterteilt.

  • Scope 1 deckt direkte Emissionen aus eigenen Quellen ab. Im Gebäude entspricht Scope 1 dem CO2, das durch die Verbrennung von Heizöl oder Gas vor Ort in die Atmosphäre gelangt.
  • Scope 2 deckt indirekte Emissionen ab. Beim Gebäude ist das die fossile Vorbelastung im dazugekauften Strom oder der zugeführten Fernwärme.
  • Scope 3 umfasst alle anderen indirekten Emissionen, die in der Wertschöpfungskette entstehen. Bezogen auf das Gebäude sind dies vor allem die Emissionen, die beim Bau des Gebäudes und bei der Produktion der Materialien entstehen. 

Minergie verbietet den Einsatz von fossilen Wärmeheizsystemen. Minergie-Gebäude haben also nach Scope 1 Null CO2-Emissionen. In Einzelfällen sind fossile Energieträger für die Spitzenlast und Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen (WKK) zulässig. Es handelt sich dabei um ca. 2% der Minergie-Gebäude, die zum Beispiel an den kältesten Wintertagen minimal CO2 emittieren. Scope 2 wird durch die Effizienzvorgaben von Minergie minimiert. Wie der verbleibende Energiebedarf eines Gebäudes gedeckt wird, ist eine Nutzerentscheidung (z.B., ob man den nicht eigens produzierten Strombedarf mit Ökostrom deckt) und kann deshalb nicht in den Planungs- und Baustandard von Minergie einfliessen. Der Zusatz ECO - und ab 2022 alle Minergie-Neubauten - bilanzieren die Emissionen von Scope 3. Bei Minergie-Neubauten wird zudem die Kohlenstoff-Speicherung, zum Beispiel bei Holzbauten, erfasst.