Das Projekt in Kürze
Das Projekt modernisiert das ehemalige Feuerwehrgebäude umfassend und nutzt es zu einem Gemeindetreff um. Es zeigt, wie durch sorgfältige bauliche Eingriffe ein energieeffizienter, vielseitig nutzbarer Raum entsteht. Der Innenraum wird neu gegliedert, gedämmt und barrierefrei verbunden, sodass Aufenthaltsraum, Küche, Vorratsraum und Sanitäranlagen künftig ganzjährig genutzt werden können. Die baulichen Massnahmen orientieren sich an den Prinzipien einer gut gedämmten Gebäudehülle, die Wärmeverluste minimiert und ein stabiles Innenraumklima schafft. Ein gedämmter Holzrahmen‑Ausbau, ein optimal isoliertes Dach und ein gedämmter Fussboden sorgen dafür, dass das Gebäude den Anforderungen einer effizienten Sanierung entspricht. Türen und Fenster werden ersetzt, die Fassade erneuert und mit wiederverwendetem Holz verkleidet – ein weiterer Schritt in Richtung konsequenter Wärmeschutz.
Eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe sorgt für angenehme Wärme und das nötige Warmwasser. Die Küche wird als gebrauchte Gastroküche umgesetzt, was Hygienevorgaben erfüllt und den Gedanken der Kreislaufwirtschaft unterstützt. Auch im Aussenbereich entsteht ein funktionaler, wettergeschützter Bereich, der das Nutzungsspektrum erweitert. Auf der Südostseite des Daches wird eine PV‑Anlage installiert, die das Gebäude und eine Ladestation für E-Autos und E-Bikes mit eigenem Solarstrom versorgt.
So entsteht eine baulich durchdachte, nachhaltige und flexible Infrastruktur, die das Dorfleben stärkt und gleichzeitig zeigt, wie ein bestehendes Gebäude mit den Anforderungen einer zukunftsfähigen Sanierung in Einklang gebracht werden kann. Realisiert wird die Sanierung im Minergie‑A-Standard mit Re‑Use.
Fragen an den Architekten
- Welche Vorteile bietet Ihnen der Standard Minergie‑A‑Sanierung in diesem Projekt?
Eine Minergie‑A‑Sanierung bringt mehrere Vorteile: Mit dem provisorischen Zertifikat sind die Energieformulare und Bewilligungsunterlagen weitgehend abgedeckt, was den Prozess vereinfacht. Da eine Photovoltaikanlage ohnehin vorgesehen war, lag Minergie‑A nahe – und führte dazu, dass die Gebäudehülle besonders sorgfältig geplant, Dämmungen konsequent ausgeführt und die Bauleitung stärker auf hohe Bauqualität sensibilisiert wurde. - Wie haben Sie wiederverwendete Bauteile in diesem Gebäude eingesetzt?
Wir nehmen in diesem Projekt den Gedanken zur Kreislaufwirtschaft ernst. Deshalb wurden möglichst viele Materialien wiederverwendet, am Standort belassen oder an andere Stelle erneut eingebaut – etwa die gereinigte alte Fassadenschalung, die Biberschwanzziegel sowie alle Fenster und sanitären Apparate wie WC und Lavabo. Auch die gesamte Dachkonstruktion blieb erhalten, und die Deckenbalken wurden zugeschnitten und wieder eingebaut. Ziel war es, alle Bauteile zu prüfen und möglichst viel erneut zu nutzen. - Welche Herausforderungen traten beim Erreichen des Minergie‑A‑Standards auf?
Bauen mit den Minergie-Standards ist für mich als Architekt seit über 20 Jahren quasi der «Normalfall». Dank der Erfahrung und dem Wissen sind die Herausforderungen bei Minergie-A deshalb nicht grösser als bei einem vergleichbaren Umbau. Es braucht lediglich den Willen, alle Unternehmerinnen und Unternehmer, und in diesem Fall auch die zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, konsequent in die Umsetzung einzubinden. - Wie wurden Freiwillige und künftige Nutzende in die Planung und Sanierung einbezogen?
Über einen Aufruf im Gemeindeblatt haben sich mehr als 30 Helferinnen und Helfer gemeldet. Sie wurden via WhatsApp-Chat jeweils für Einsätze aufgeboten, was sehr gut funktioniert und den sozialen Zusammenhalt gestärkt hat. Heute sind alle stolz auf ihren Beitrag. - Welche Rolle spielt der ökologische und soziale Kreislaufgedanke für Ihre Planung?
Nachhaltiges Planen und Bauen bedeutet für uns, den Zukunftsgedanken konsequent mitzudenken. Was bei denkmalgeschützten Gebäuden selbstverständlich ist, sollte auf alle Bautypen übertragen werden – gerade angesichts der zunehmenden Ressourcenknappheit. In einer Gemeinde ist der Zusammenhalt besonders spürbar: Man kennt sich, jede Mitarbeit zählt und jede Person ist wertvoll, unabhängig vom finanziellen Hintergrund. Dieses Gemeinschaftsgefühl hat das Projekt getragen. Eine besondere Chance lag darin, dass auch Neuzuzügerinnen und -züger mitarbeiten konnten und so neue soziale Kontakte entstanden.
Was sagt die Bauherrschaft?
Die Gemeinde Büttenhardt als Bauherrschaft des Bütti-Treff nimmt mit der Umsetzung der Sanierungsmassnahmen nach Minergie-A-Standard ihre Vorbildfunktion für die Erstellung, Ausrüstung und den Betrieb öffentlicher Gebäude und Anlagen wahr.
Mit der Sanierung des alten Feuerwehrgebäudes zu einem Treffpunkt für die Bevölkerung von Büttenhardt zeigt sie, dass auch bestehende Gebäude mit den richtigen Massnahmen den heutigen Anforderungen an klimafreundliches Bauen und Energieeffizienz gerecht werden können.
Das Gebäude im Überblick
Baujahr |
1955, Erneuerung 2026 |
EBF |
172 m² |
Eigenstromproduktion |
18.7-kWp |
Heizung + Warmwasser |
100% Wasser-Wasser-WP, für Heizung und Warmwasser |
Dämmung |
Minergie-Standard, U-Wert < 0.18 W/m2K |
Zertifikat |
Bildergalerie
Bilder: Peter Sandri, Florian Dornbierer