Das Gebäude «Lo Scudo di Stabio» auf einen Blick

Die nach Minergie-P-ECO und SNBS-Hochbau Silber zertifiziertes Wohngebäude

Riccardo Arlunno, Leiter des Bereichs Energie und Nachhaltigkeit, AFRY Schweiz AG

«Wenn man sich täglich mit Nachhaltigkeit beschäftigt, stösst man selten auf Projekte, in denen von Anfang an alle dieselbe Vision teilen. Dieses Projekt zeigt, dass Standards zu Instrumenten werden können, die wirklich nachhaltige Entscheidungen lenken.»

Riccardo Arlunno, Leiter des Bereichs Energie und Nachhaltigkeit, AFRY Schweiz AG

Giuseppe Rossi, Architekt, Planungsbüro Martinelli und Rossi Sagl

«Ökologisches Bewusstsein unterstützt den Planeten bei seiner Regeneration – nicht nur durch bauliche Entscheidungen, sondern auch durch die Förderung einer positiven und nachhaltigen Beziehung zur Umwelt. Dieser Gedanke hat uns bei diesem Projekt geleitet.»

Giuseppe Rossi, Architekt, Planungsbüro Martinelli und Rossi Sagl

Luca Bolzani, Eigentümer des Gebäudes «Lo Scudo di Stabio»

«Ich wollte nicht nur ein energieeffizientes Wohngebäude errichten, sondern das erste Projekt im Tessin schaffen, das Nachhaltigkeit in jeder Hinsicht verkörpert.»

Luca Bolzani, Eigentümer des Gebäudes «Lo Scudo di Stabio»

Das Projekt in Kürze

Das Gebäude erstreckt sich über drei oberirdische Stockwerke sowie unterirdische Technikräume und vereint zwei Hauptnutzungsarten: Verwaltungsräume und öffentlich zugängliche Bereiche sowie einen «Smart-Living»-Bereich mit 22 Wohnungen und Bereichen für gemeinschaftliches Arbeiten.

Bei der Entwicklung dieses Projekts standen Energieeffizienz, die Verringerung der Umweltbelastung und der Komfort der Nutzenden im Mittelpunkt. Die Tragkonstruktion aus Brettschichtholz und die hochleistungsfähige, überwiegend mit Naturkork gedämmte Gebäudehülle tragen dazu bei, den Energiebedarf des Gebäudes zu senken. Die hohe Luftdichtheit verbessert sowohl die thermische Leistung als auch den akustischen Komfort der Innenräume. Die Betonkonstruktionen weisen einen hohen Anteil an recycelten Zuschlagstoffen auf.

Der Heiz- und Kühlbedarf wird durch eine mit Grundwasser betriebene Wärmepumpe gedeckt. Auf diese Weise wird eine lokal verfügbare, erneuerbare Energiequelle genutzt. Die Stromerzeugung erfolgt über in das Dach und die Fassade integrierte Photovoltaikanlagen, die durch Speichersysteme unterstützt werden. Diese fördern den Eigenverbrauch und reduzieren die Entnahme aus dem Netz.

Ein besonderes Augenmerk wurde zudem auf die Raumluftqualität gelegt, indem langlebige und emissionsarme Materialien ausgewählt wurden. Ebenso wurde auf die Beziehung zum äusseren Umfeld geachtet. Transparente Lärmschutzlösungen reduzieren die Auswirkungen des Verkehrs, während gleichzeitig der Blick auf die umliegende Landschaft mit ihren Hügeln und Weinbergen freigehalten wird. Die Grünflächen tragen dazu bei, das Mikroklima zu verbessern und das Gebäude harmonisch in das städtische Umfeld einzubinden.

Fragen an den Planer

  1. Welche Vorteile sehen Sie in den Standards Minergie-P-ECO und SNBS-Hochbau?
    Die Zertifizierungen Minergie-P, Minergie-ECO und SNBS-Hochbau bieten einen bewährten Referenzrahmen, um die Nachhaltigkeitsleistung eines Projekts objektiv zu bewerten und nachzuweisen. Für Bauherrschaften, Planende und Nutzende sind sie anerkannte Instrumente, die die Erfüllung hoher Standards in Bezug auf Energieeffizienz, Bauqualität, Komfort sowie ökologische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit bescheinigen. Gleichzeitig fördern sie die Vergleichbarkeit zwischen Projekten und die Angleichung an nationale und internationale Best-Practice-Standards.
  2. Welche kritischen Punkte gab es auf dem Weg zur Erreichung der Standards Minergie-P-ECO- und SNBS-Hochbau?
    Die grösste Herausforderung liegt in der Koordination der zahlreichen Akteure, die über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes hinweg beteiligt sind – von der Entstehung bis zum Abriss. Um die Planungsmassnahmen wirksam umzusetzen, ist ein starkes gemeinsames Bekenntnis zu den Nachhaltigkeitszielen sowie eine angemessene Schulung von Planenden, Unternehmen und Ausführenden erforderlich. So kann die Einhaltung der geforderten Anforderungen gewährleistet und eine Weiterentwicklung der etablierten Praktiken gefördert werden.
  3. Wie haben Sie diese gelöst?
    Das Projekt «Scudo» erforderte einen erheblichen Koordinations- und Kontrollaufwand, wie er für ein wegweisendes Projekt – zumindest im Tessin – typisch ist. Dank der im Laufe des Projekts erworbenen Kompetenzen, sowohl seitens der Planenden als auch der Bauunternehmen, lassen sich heute kritische Punkte besser vorhersehen und Nachhaltigkeitsanforderungen effektiver in zukünftige Projekte integrieren.

Was sagt die Bauherrschaft? 

Als ich «Lo Scudo di Stabio» plante, wollte ich nicht nur ein effizientes Gebäude errichten, sondern das erste Projekt im Tessin schaffen, das Nachhaltigkeit in jeder Hinsicht verkörpert.

Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden, sowohl die Minergie-Zertifizierungen als auch die SNBS-Zertifizierung anzustreben. Dabei stellen wir nicht nur die Energieeffizienz, sondern auch die verwendeten Materialien, das Wohlbefinden der Menschen und die Beziehung zur Region in den Vordergrund.

Das Gebäude im Überblick


Baujahr

2022

EBF

PF-Wohnungen, Neubau, 1545,6 m², Verwaltung, Neubau, 226,2 m²

Eigenstromproduktion

26.895-kWp-Photovoltaikanlage, installiert auf dem Dach und an den Fassaden

Heizung + Warmwasser

100 % Wasser/Wasser-Wärmepumpe

Dämmung

Einsatz umweltfreundlicher Materialien und baulicher Lösungen zur Reduzierung der grauen Energie und der CO₂-Emissionen

Zertifikat

TI-011-P-ECO, SNBS-Hochbau Silber Nr. 92

Bildergalerie

Bilder: LAGO und Marco Introini