Das Projekt in Kürze
Die Wohnsiedlung Lindenmatt West wurde in den 1960er-Jahren erstellt. Der bauliche Zustand wie auch die räumlichen und die infrastrukturellen Einrichtungen der Wohnungen genügten den heutigen Anforderungen nicht mehr. Im Rahmen einer Potenzialstudie wurde aufgezeigt, wie die Bauten innenräumlich sowie energetisch saniert und mit der Aufstockung um jeweils ein Geschoss massvoll verdichtet werden können.
Die Aufstockung in Holzrahmenbau ermöglicht es, die bestehenden 200 Wohnungen mit weiteren 36 Wohnungen und einem diverseren Angebot zu ergänzen. Der heutige Zustand der Gebäude bedingt eine Totalsanierung der Wohnungen, der Haustechnik und der ganzen Gebäudehülle. Alt und Neu werden so zu einem gemeinsamen Ganzen. Die bestehenden Balkone werden rückgebaut und mit einem modularen System ersetzt und vergrössert.
Die grosszügigen grünen Zwischenräume zwischen den Bauten bleiben bestehen und werden neu gestaltet und aufgewertet. Durch die neue biodiverse Bepflanzung wird die Vernetzung mit den Aussenräumen der angrenzenden Siedlungen gefördert. Es entstehen vielfältige Spiel- und Aufenthaltsbereiche für Jung und Alt.
Die Realisation in Etappen ermöglicht den Mieterinnen und Mietern, innerhalb ihrer Siedlung zu verbleiben. Das Projekt «Lindenmatt West» wurde in seiner Entwicklung zusammen mit der Minergie- Geschäftsstelle Schweiz als Pilotprojekt «"Minergie Areal» konzipiert. Dies ermöglichte uns neben der reinen Zertifizierung der Einzelgebäude, weiterführende Qualitätsstandards für den Aussenraum, die Bepflanzung oder die Mobilität zu sichern bzw. festzulegen.
Fragen an die Planenden
- Weshalb hat man sich in Bolligen für die «Minergie-Areal»-Zertifizierung entschieden? Was waren da für Sie die entscheidenden Punkte?
Parallel zur Projektentwicklung fand die Harmonisierung der Gebäudelabels statt. Unser Fachplanenden für Bauphysik haben das Team informiert und somit das Grundinteresse bei Planern und Bauherrschaft geweckt. Zusammen mit der Minergie-Geschäftsstelle einigte man sich darauf, im Prozess die Sanierung in Bolligen als Pilotprojekt weiterzubearbeiten. -
Welche Vorteile bietet der Standard «Minergie-Areal» aus Ihrer Sicht?
Im Vergleich zu anderen Labels erscheint mir die gesamtheitliche Betrachtung des Projektes als grosser Vorteil für den Eigentümer beziehungsweise die Bauherrschaft sowie auch für die späteren Bewohnerinnen und Bewohner. Der Fokus liegt nicht nur auf dem Gebäude und dessen Erstellung, sondern ebenfalls auf dem Betrieb (Monitoring Verbrauch) sowie den Umgebungsfaktoren und den sozialen Aspekten im Gebrauch.
Als grossen Vorteil zur Erreichung empfanden wir die Wahlvorgaben, dies ermöglichte eine gewisse Flexibilität und die Förderung der projektspezifischen Stärken. - Was sind beim Projekt in Bolligen die grössten Herausforderungen in Bezug auf die «Minergie-Areal»-Zertifizierung?
Die allgemeine Konzeption des Sanierungsprojektes hatte viele zu erfüllende Punkte schon angedacht, durch den Prozess im Pilotverfahren wurden diese jedoch noch konkretisiert. Die Lage in Bolligen, einer Agglomerationsgemeinde der Stadt Bern, machte das Mobilitätskonzept zu einer grösseren Herausforderung. Das Netz von Car- oder Bikesharing ist noch nicht gleichermassen ausgebaut wie in Stadtnähe und die Topografie des Ortes erschwert den Zugang zum öffentlichen Verkehrsnetz. - Was zeichnet für Sie das Projekt in Bezug auf die Nachhaltigkeit aus bzw. was macht es besonders?
Gebäudebezogene Aspekte wie den Wechsel von fossilen auf erneuerbare Energieträger, die Ertüchtigung der gesamten Hülle oder die energieeffiziente Ausstattung sind keine Besonderheiten mehr. Die Eingriffstiefe des Projektes ermöglichte jedoch eine intensivere Auseinandersetzung mit der Umgebungsgestaltung. Der Unterschied von vorher zu nachher ist markant in Bezug auf die Aufwertung der Nutzbarkeit für die Bewohnerinnen und Bewohner, die Bepflanzung und damit die Biodiversität. - Gibt es diesbezüglich Bereiche, bei denen Sie neue Wege gehen?
Die Bestandsgebäude bedingten, die hindernisfreie Zugänglichkeit anders zu denken. Wo möglich wurde dies in die Umgebungsgestaltung integriert und das Zugangsniveau grosszügig abgesenkt, um eine neue gebaute Begegnungszone auf Kellerniveau zu erhalten. Der Ersatz des Energieträgers machte zudem den Weg frei, die alte Heizzentrale neu zu denken und die freien Räumlichkeiten in eine zweistöckige Velohalle zu transformieren. - Wie beziehen Sie die Faktoren Versickerung (Schwammstadt) und Hitzeschutz beim Areal ein?
Im Grundsatz zur vorherigen Situation wurde die Entsiegelung so weit wie möglich vorangetrieben und somit ein Maximum an versickerungsfähigen Flächen ermöglicht. Die im letzten Punkt angesprochenen Eingangsbereiche wurden mit bepflanzten Retentionsbecken und Rabatten ergänzt, um den anfallenden Regen im natürlichen Wasserkreislauf zu behalten. Der Dachaufbau wurde darauf ausgelegt, um das Regenwasser im besten Fall zu speichern und verdunsten zu lassen. Zudem sorgt es bei Starkregen dafür, das Volumen zu puffern und verzögert der oberflächlichen Versickerung zuzuführen. Die Verdunstung soll zusammen mit der deutlich dichteren Bepflanzung und der damit verbundenen natürlichen Beschattung als Hitzeschutz dienen.
Das Areal im Überblick
- Etappe 1: April 2024 - November 2025
- Etappe 2: Februar 2026 – Bauende geplant Sommer 2027
- Etappe 1: Hühnerbühlstrasse 33-41: 6060 m2 / Hühnerbühlstrasse 43-51: 5718 m2
- Etappe 2: Hühnerbühlstrasse 11-19: 6060 m2 / Hühnerbühlstrasse 21-29: 6122 m2
- Total 23'960 m2
Leistung ca. 400kWp, durchschnittlicher Jahresertrag 400 MWh, PV-Modulfläche 1’760m2
Areal-Wärmenetz, Heizzentrale mit ca. 830 kW Leistung, Energieträger Holzhackschnitzel
B1.4 Sicherstellung einer hohen Nutzungsdichte
D1.6 Keine Unterbauung von Freiflächen
E2.3 Minimum an Personenwagenabstellplätzen
Projektorganisation
Immobiliengesellschaft Immosip AG, c/o UBS Fund Management (Switzerland) AG, Aeschenvorstadt 1, 4002 Basel
Rykart Architekten AG, Könizstrasse 161, Postfach 75, 3097 Liebefeld
Klötzli Friedli Landschaftsarchitekten AG, Bern
Hartenbach + Wenger AG, Bern
Amstein + Walthert Bern AG, Bern
InfraBlow. Siegrist GmbH, Bolligen
Amstein + Walthert Bern AG, Bern
Bildgalerie
Visualisierungen: Rykart Architekten AG