Minergie Monitoring+ im Mehrfamilienhaus

Dübendorf

Lothar Ziörjen, Architekt und Minergie-Fachpartner

"Mit dem Aufbau des Monitorings haben sich viele neue Erkenntnisse ergeben, die ohne Auseinandersetzung mit dem Thema gar nicht sichtbar geworden wären."

Lothar Ziörjen, Architekt und Minergie-Fachpartner

Minergie Monitoring+

Minergie-Gebäude sollen nicht nur gut geplant, sondern auch gut betrieben werden. Ein gut geplantes Gebäude kann im Betrieb aufgrund einer fehlerhaft eingestellten oder defekten Technik stark von den Planungswerten abweichen und unnötig viel Energie verbrauchen. Um solche Abweichungen entdecken und beseitigen zu können, muss ein Gebäudemonitoring durchgeführt werden (monitor – lat.: Warner). Dabei werden Energieflüsse wie elektrischer Verbrauch der Wärmepumpe, Produktion der PV-Anlage oder Heizwärme erfasst, ausgewertet und visualisiert. 

Minergie-Gebäude mit mehr als 2000 m2 EBF und Minergie-A-Gebäude müssen ein Monitoring-System verbauen. Mit dem Minergie-Modul Monitoring werden Gebäudemonitoring-Systeme zertifiziert, die die Anforderungen von Minergie erfüllen. So werden die Monitoring-Systeme qualitativ überprüft. Des Weiteren bietet das Modul eine Schnittstelle zur Minergie-Datenbank. Diese ermöglicht dem Gebäudeeigentümer einen Vergleich von Plan- und Messwerten und damit eine Einschätzung, ob das das Gebäude energieeffizient betrieben wird.

Das Projekt in Kürze

Das Bauvorhaben «Alte Gfennstrasse» in Dübendorf sieht insgesamt fünf Mehrfamilienhäuser vor. Alle Gebäude werden nach dem Minergie–P Baustandard gebaut. Die Gebäude haben zwischen 8 und 13 Wohneinheiten. Die Gebäude sind nicht identisch, werden jedoch alle mit derselben Monitoring-Technik ausgerüstet. 

Die wichtigsten Eckdaten:

  • Erdsonden-Wärmepumpen für Heizenergie und Warmwasserproduktion
  • PV-Anlage mit 22 kWp produziert jährlich 18.7 MWh Energie
  • Eigenverbrauchsrate von 44 %
  • 5 Gebäude bilden einen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV)

Fragen an Pascal Welti von NeoVac 

  1. Warum können Sie ein Monitoring von Neovac empfehlen?
    NeoVac verfügt über ein umfassendes Sortiment an innovativen Messgeräten, die eine lückenlose Verbrauchserfassung, Vernetzung und Messdatenübertragung von Energie und Wasser ermöglichen. Permanent erheben die Energie- und Wassermessgeräte von NeoVac die aktuellen Verbrauchswerte an den einzelnen Messstellen, die im eigenen Rechenzentrum am Hauptsitz zentralisiert, gespeichert, plausibilisiert und für die Kunden-Webplattformen aufbereitet werden. Durch die hohe Auflösung und die permanente Verfügbarkeit der Daten lassen sich mit der Web-App "NeoVac Monitoring Pro" mit wenigen Klicks die Energieströme aller wichtigen Verbraucher von Gebäuden oder Arealen analysieren und überwachen. Das Rheintaler Familienunternehmen operiert zudem von 11 Standorten in der ganzen Schweiz aus und steht für Qualität und Kundennähe.
  2. Was ist der Mehrwert eines zertifizierten Minergie-Moduls?
    Das Monitoring des Gebäudes stellt einen guten Betrieb des Gebäudes sicher. Dass nun das Monitoring noch durch Minergie zertifiziert werden kann, finde ich spannend, da Minergie für Genauigkeit und Qualität steht und mir so als seriöser Partner eine zusätzliche Qualitätssicherung meines Monitoring-Systems gewährleistet. Durch die Schnittstelle mit der Minergie-Datenbank, die den Vergleich von Mess- und Planwerten ermöglicht, sehe ich schnell und einfach, was im Gebäude schief läuft und wo Optimierungspotenziale liegen. Ohne diese Schnittstelle wäre ein solcher Vergleich extrem aufwändig und damit zeit- und kostenintensiv – das könnten wir ohne Minergie als Systemanbieter nicht leisten.
  3. Welche Herausforderungen gibt es beim Planen eines Gebäudemonitorings?
    Für das Gelingen eines Gesamtkonzeptes ist ein Einstieg in der Planungsphase matchentscheidend. Nur so können alle Messpunkte projektspezifisch an die richtigen Stellen gesetzt werden.

Das sagt der Architekt

Mit dem Minergie Monitoring wird eine Lücke geschlossen, so dass man auch den Betrieb der technischen Anlagen unter Kontrolle bekommt. So wird sichergestellt, dass die Anlagen wie geplant funktionieren und dass sie betrieblich optimiert werden können. Natürlich sind damit auch bauliche und betriebliche Mehrkosten verbunden, die sich aber auszahlen werden. Der erstmalige Aufbau des Monitorings für die geplanten fünf Mehrfamilienhäuser, zuerst auf Konzeptebene, dann in enger Zusammenarbeit mit den Fachplanern und den Anbietern der Komponenten, war eine grosse Herausforderung. Dabei haben sich auch viele neue Erkenntnisse ergeben, die ohne Auseinandersetzung mit dem Thema gar nicht sichtbar geworden wären. Es bestätigt sich also: Das Monitoring ist der richtige Weg. (Lothar Ziörjen, Architekt und Minergie-Fachpartner)

Das Monitoring-System

Das Monitoring-System von NeoVac ermöglicht ein viertelstündliches Auslesen der elektrischen Messungen. Die Wärmemessungen erfolgen täglich. Diese detailliert aufgelösten Messungen ermöglichen es, den Energieverbrauch sehr genau zu analysieren. 

Die Schnittstelle des NeoVac-Systems mit der Minergie-Datenbank ermöglicht einen Vergleich der Plan- und Messdaten. Durch dieses Benchmarking können Abweichungen erkannt und somit mögliche Fehlerquellen ermittelt werden

Das Monitoring-Modul von NeoVac


Die Datenübertragung der NeoVac-Messgeräte erfolgt entweder kabelgebunden via M-Bus oder kabellos via LoRaWAN. Die Zähler sind nach MID geeicht und entsprechen der Genauigkeitsklasse B.

Die Messdaten werden dann ins Hauptrechenzentrum gesendet, gespeichert, plausibilisiert und aufbereitet. Die intuitive Webplattform von NeoVac bietet die Möglichkeit, die Messwerte über verschiedene Zeiträume zu analysieren und zu vergleichen. Die Energieströme aller wichtigen Verbraucher von Gebäuden und Arealen lassen sich so optimal überwachen.

Mit der App "NeoVac myEnergy" erhält zudem jeder Bewohner Einblick in den persönlichen Energieverbrauch. 

NeoVac Energie-Monitoring
NeoVac Bewohner-Monitoring mit App "NeoVac myEnergy" 

Das Messkonzept des Areals

Die Abbildung zeigt den Zusammenschluss der fünf Arealgebäude. Elektrisch wird hier der Anschluss des Areals ans Stromnetz mit einem bidirektionalen Zähler gemessen. Das Areal hat eine gemeinsame Tiefgarage und gemeinsame Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Der Gesamtverbrauch der Tiefgarage und Umgebung wird ebenso wie der Gesamtverbrauch für die E–Mobilität jeweils von NeoVac (schwarz) und dem Elektrizitätswerk (rot) erfasst. Für das Minergie Monitoring wird der Verbrauch der Ladestationen nicht zum Gebäude gemessen. Die einzelnen Gebäude haben jeweils ein separates Monitoringkonzept.

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Das Messkonzept von Haus 1

Das Messkonzept von NeoVac umfasst die für ein Minergie Monitoring Standard notwendigen Grössen. NeoVac misst die elektrischen Grössen PV-Produktion, Wärmepumpe Heizen, Wärmepumpe Warmwasser, Warmwasser Elektroeinsatz, Allgemein- und Gesamtverbrauch Wohnen. Ausserdem befindet sich ein Elektrozähler am Zugangspunkt der Arealverteilung. Dieser ist jedoch nur für die Eigenverbrauchsoptimierung relevant. Die Elektrozähler des Elektrizitätswerks dienen in diesem Fall nur der Abrechnung.

Wärmemessungen von NeoVac werden am Ausgang der Heiz-Wärmepumpe und vor dem Eintritt in den Warmwasserspeicher installiert. Ausserdem wird die Wärme, die vom Warmwasserkreis in den Heizkreis geführt wird, gemessen. Die Gesamtheizwärme wird dann virtuell gebildet. Für jede Wohnung wird die Heizwärme, die Warm- und die Kaltwassermengen erfasst. Die Gesamtmengen für Warm- und Kaltwasser werden dann virtuell durch die Summe der Wohnungsmengen berechnet.

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Das Gebäude im Überblick

Baujahr

2020-2021

EBF

1498 m2

Gebäudekategorie

Neubau MFH

Standard

Minergie-P

Systemanbieter

NeoVac

Zertifizierung

ZH-732-P

Bildergalerie